Coronaviren (Quelle Wikipedia)
Coronaviren (Quelle Wikipedia)

Corona-Infektionen

Was gibt es Neues?

 

 

Es droht auch bei uns eine zweite Welle......

Der Sommer verlief glimpflich - wenig Infektionen, kaum Todesfälle. Das Virus hat jedoch nicht seine Gefährlichkeit abgelegt! Unter der Decke der vermeintlich geringen Infektionstätigkeit, breitete sich das Virus fast unbemerkt in der gesamten Bevölkerung und über die gesamte Fläche (mit wenigen zufälligen Ausnahmen) aus. Nachbarländer waren früher und sind schon viel schwerer betroffen. In Spanien, Frankreich, Holland explodieren bereits jetzt die Zahlen an Infizierten, schwer erkrankten Intensivpflichtigen und auch die Todesfälle nehmen zu. Die Arbeitsgruppe um die Göttinger Epidemiologin Viola Priesemann hat ihre Daten und Vorhersagen jetzt auf einem Pre-Print Server gestellt (siehe Download unten). Sie sagen für die zweite Oktoberhälfte und den November einen exponentiellen Anstieg der Infektionen und einen deutlichen Anstieg der Todesfälle voraus, sollte es uns nicht gelingen mit Beginn dieser zweiten Welle massiv gegen zusteuern. Die Krankenhäuser und die Intensivbetten werden sich wieder füllen.

 

Die Infektion wird wieder in die Risikogruppen eingetragen, weil die Gesundheitsämter mit der Nachverfolgung und Eindämmung von einzelnen Infektionen und Clustern überfordert sind.

 

Es liegt an uns allen durch Achtsamkeit, Rücksichtnahme und Vorsicht die Regeln im Umgang mit der SARS-CoV-2  Pandemie einzuhalten, um uns und unsere Mitmenschen nicht zu gefährden.

 

Meiden Sie Risikosituationen wie geschlossene Räume mit vielen Menschen, sagen Sie (Familien-) Feiern ab, verzichten Sie wenn möglich auf Reisen und tragen Sie konsequent Mund-Nasen-Schutz wenn es die Situation erfordert.

Wir kennen die notwendigen Manahmen, wir müssen sie aber auch umsetzen.

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Linden et al. The Foreshadow of a second wave, Text auch auf deutsch Seite 5 und 6. arVix:2010.05850v1
Linden ... Priesemann The foreshadow of
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Ausblick auf Herbst und Winter- Wie geht es weiter in Kitas und Schulen?

Die Sommerferien sind vorbei, Schulen beginnen mit Präsenzunterrricht, die Kindergärten und -krippen sind geöffnet. Wenngleich die Rolle der Kinder und Jugendlichen im Infektionsgeschehen noch nicht endgültig wissenschaftlich geklärt ist, besteht Konsens, dass Kindergärten und Schulen offen sein sollen. Zur Vorgehensweise sind in Bayern unter Federführung des LGL Handlungsempfehlungen erstellt worden. Hiermit soll einerseits die Pandemie unter Kontrolle gehalten, andererseits ein individueller Schutz vor der Infektion mit Covid-19 sichergestellt werden. Naturgemäß lassen sich in diesen Empfehlungen nicht alle Situationen des Alltags abbilden. Vorgesehen ist ein 3 - Stufenplan, der sich am allgemeinen Infektionsgeschen im Landkreis oder der Stadt orientiert. Unterschieden werden neben der Stufe 1 mit geringer Infektionstätigkeit, die Stufe 2 mit mehr als 35 Fällen / 100.000 Einwohner und der Stufe 3 mit mehr als 50 Fällen / 100.000 Einwohner.

In der folgenden Tabelle und den anschließenden Ausführungen sind die wichtigsten Maßnahmen zusammengefaßt.

Die vollständigen Leitfäden stehen unten als Download bereit.

Die kompletten Ausführungen können Sie hier herunterladen.

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SARS-CoV2 Leitfaden für Kindergärten
20-09-04 SARS-CoV-2 Leitfaden_fuer_Kinde
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2020-10-05 Leitfaden Corona für Schule f
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Lackzunge bei Kawasaki-Syndrom, Quelle Wikipedia
Lackzunge bei Kawasaki-Syndrom, Quelle Wikipedia

Kawasaki-Syndrom durch Covid-19?

Weltweit erregen Berichte zu einem atypischen Kawasaki - Syndrom nach Corona-Infektion bei Kindern aufsehen und führen zu großer Sorge bei Eltern. Das Kawasaki-Syndrom ist eine seltene entzündliche Erkrankung. Symptome sind hohes Fieber, Haut- und Schleimhautausschlag, Bindehautentzündung, Lymphknotenschwellung und gastro-intenstinale Symptome. Eine seltene schwere Komplikation sind Aussackungen der Herzkranzgefäße (Coronar-Aneurysmen) die Verkalken und sogar zu Infarkten führen können. Im Blut finden sich hohe Entzündungswerte.  Die Erkrankung ist in Deutschland selten, es erkranken bei uns etwa 9 von 100.000 Kindern unter 5 Jahren, in Japan sind es 185/100.000 Kinder unter 5 Jahre. Dort wurde die Erkrankung von Dr. Kawasaki 1961 erstmals beschrieben. Die Ursache des Kawasaki-Syndroms ist unklar. Vermutet wird eine "überschiessende" Entzündungsreaktion z.B. auf virale Infektionen. Die Therapie umfasst Immunglobuline, Aspirin und Kortison. Die allermeisten Fälle heilen folgenlos aus.

 

Symptomatik bei MIS-C in Abhängigkeit vom Alter (KD = Kawasaki Symptomatik), Dufort et al. Abb. 1)
Symptomatik bei MIS-C in Abhängigkeit vom Alter (KD = Kawasaki Symptomatik), Dufort et al. Abb. 1)

Eine Studie im renommierten New England Journal of Medicine beschreibt nun eine Häufigung von Fällen eines Kawasaki-ähnlichen Krankheitsbildes bei Kindern in New York. Die Autoren nennen es "Multisysteme Inflammatory Syndrom in Children" (MIS-C). 95 Fälle bei Kindern und Jugendlichen zwischen 0 und 20 Jahren wurden registriert. Der Anteil an Schwarzen und Latinos war überproportional hoch. Das Durchschnittsalter lag bei 8 Jahren und damit deutlich höher als beim klassischen Kawasaki-Syndrom.  Die Schwerpunkte der Symptomatik waren altersabhängig. Bei kleinen Kindern überwogen Haut- und Gastrointestinale Symptome, bei älteren Kindern und Jugendlichen war häufiger eine Herzmuskelentzündung zu finden. 80% mußten auf die Intensivstation, 10% wurden beatmet und 2/3 benötigten Kreislauf-Medikamente. Zwei Kinder (2%) verstarben im Rahmen des MIS-C.

SARS-CoV-2 Neuerkrankungen (blaue Säulen) und MIS-C (rote Säulen) zwischen 1. März und 10. Mai 2020 in NY State, (Abb.2 Dufort et al.)
SARS-CoV-2 Neuerkrankungen (blaue Säulen) und MIS-C (rote Säulen) zwischen 1. März und 10. Mai 2020 in NY State, (Abb.2 Dufort et al.)

Das MIS-C ist nur sehr selten mit einer Corona-Infektion assoziert. Die Abbildung zeigt die täglich registrierten Fallzahlen von Kindern und Jugendlichen in NY zwischen 1 März und 10. Mai 2020. Die Zahl der registrierten Neuerkrankungen lag über viele Wochen bei etwa 300 / Tag. Da viele Kinder asymptomatisch bleiben oder nicht getestet werden dürfte die Dunkelziffer um ein Vielfaches höhes liegen. Das Entzündungs-Syndrom folgt der SARS-Cov-2 Erkrankung mit einer Verzögerung von ca. 1 Monat. Weniger als 1% der in New York mit Covid-19 positiv getesteten Kinder entwickelte später ein MIS-C Entzündungssyndrom. In den gesamten USA scheint die Rate noch niedriger zu sein. In China, wo die Infektion ja primär auftrat, wurden praktische keine Fälle von MIS-C beobachtet. Wenige Berichte gibt es aus Italien.

Insgesamt wissen wir bislang noch viel zu wenig über das neue Virus. Die Rolle des besonderen Entzündungssyndroms MIS-C ist bislang nicht klar.  Die Berichte sind ernst zu nehmen, es gibt aber keinen Grund in Panik zu verfallen.

Insgesamt erkranken Kinder glücklicherweise nur selten schwer im Rahmen einer Covid-19-Infektion. 

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Dufort et al. Multisystem Inflammatory Syndrome in Children in New York State, NEJM 2020
20-07-04 Dufort Multisystem Inflammatory
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Feldstein et al. Multisystem Inflammatory Syndrome in U.S. Children and Adolescents, NEJM 2020
20-07-04 Feldstein Multisystem Inflammat
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Wie ist die Rolle der Kinder im Infektionsgeschehen ?

Diese Frage wird insbesondere vor dem Hintergrund der nun anstehenden Öffnung von Schulen und Kitas kontrovers diskutiert. Bislang scheint sicher, dass Kinder weniger schwer als Erwachsene erkranken. Viele scheinen sogar asymptomatisch zu bleiben. Dennoch können sie natürlich das Virus weitergeben. Epidemiologische Studien zur Rolle der Kinder waren bislang schwierig. So wurde das Virus in den meisten Ländern durch Erwachsene die sich über Arbeitskollegen, im Urlaub oder in Menschenansammlungen (Karneval, Ischgl) infiziert hatten,  in die Familien eingetragen.  D.h. die Kinder standen am Ende einer Infektionskette und wurden, da sie häufig wenig symptomatisch waren und auch aus logistischen Gründen, selten getestet.

 

Ein erste repräsentative Erhebung zur Prävalenz von Antikörper gegen SARS - CoV -2 wurde jetzt vom Gesundheitsdienst in Schweden veröffentlicht. Es wurde also die "Durchseuchung" mit Covid-19 untersucht. Aufgeschlüsselt nach Altersgruppen und Regionen wurde so der Anteil derjenigen an der Gesamtbevölkerung ermittelt, die bereits eine Infektion durchgemacht haben und wahrscheinlich erst einmal immun sind.  In der Zeit vom 27.4. bis 17.5. (KW 18 - 20) wurden die Antikörpertests durchgeführt. Die Qualität des Testverfahrens war vorher übeprüft worden und ist mit einer Sensitivität von 99,4% und einer Spezifität von 98.9 % sehr gut.

Die Gruppe der Kinder und Jugendlichen (0-19 Jahre) unterschied sich über den gesamten Zeitraum nicht signifikant von den Erwachsenen (20-64 Jahre). Bei alten Menschen war die Prävalenz glücklicherweiser niedriger. Interessent ist der Anstieg der Prävalenz bei den Kindern über die drei Untersuchungswochen. Die Prävalenzen liegen in der dritten Woche tendenziell über denen der Erwachsenen. Diese schwedische Studie ist wichtig, da sie das Alltagsgeschehen recht realistisch abbildet. In Schweden waren die Schulen nur für die Oberstufe geschlossen. Alle anderen Kinder besuchten unter den entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen die Schulen und Kindergärten. Genau vor dieser Situation stehen wir jetzt in Deutschland. Dies bedeutet, dass die Kita- und Schulöffnungen natürlich unter besonderer Berücksichtigung der Hygieneregeln erfolgen sollten. Darüber hinaus muss durch häufiges Testen ein Infektionsherd möglichst frühzeitig erkannt und isoliert werden!

Die Studie gibt auch Auskunft zur sog. "Herdenimmunität". Selbst im "Hotspot" Stockholm, hier lag die Prävalenz über alle Altersgruppen bei 10.2%, ist man noch weit von einer ausreichenden Immunität der Bevölkerung entfernt.

 

 

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Seroepidemiologische Studie in Schweden (Übersetzt mit Google-Translator)
20-06-18 Seroepidemiologische Studien Sc
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Seroepidemiologische Studie (Originalversion in schwedisch)
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Lässt sich eine neue Infektionswelle frühzeitig erkennen?

Aktuell ist in Deutschland das Infektionsgeschehen gut rückläufig. Die Zahl er Neuinfektionen liegt bundesweit in dreistelligen Bereich. In einzelnen Regionen sind kaum noch neue Fälle aufgetreten. Dies kann sich mit den Lockerungen im täglichen Leben dies rasch ändern. Die große Schwierigkeit besteht darin rasch auf Ausbrüche zu reagieren, um Infektionsketten zu unterbrechen. Doch es vergehen viele Tage, bis Infizierte erkannt und isoliert sind (s.u.). Asymptomatische Virusausscheider werden womöglich garnicht erfasst.

Hier könnte ein sehr origineller Ansatz helfen. Viele Viren und Bakterien werden mit Urin und Stuhl ausgeschieden. Sie überleben meist nicht lange, die DNA oder RNA kann aber nachgewiesen werden. Es ist bereits erfolgreich gelungen durch Analyse des Abwassers in in Klärwerken auf Infektionen, den Antibiotikaverbrauch oder sogar Drogenmissbrauch in einer Region zu schließen. Französischen Virologen gelang es jetzt, das Ausbruchsgeschen in Paris nachzuvollziehen. In Wasserproben aus Pariser Klärwerken konnte retrospektiv die nicht mehr infektiöse Virus-RNA von Covid-19  bereits nachgewiesen werden, bevor die Zahl der Patienten in den Kliniken Anstieg oder Todesfälle sich häuften (Abb.).

 

Wurzter et al. Evaluation of lockdown impact on SARS-CoV-2 dynamics through viral genome quantification in Paris wastewaters, medRvix Preprint Server 2020
Wurzter et al. Evaluation of lockdown impact on SARS-CoV-2 dynamics through viral genome quantification in Paris wastewaters, medRvix Preprint Server 2020

In Deutschland werden die Abwässer von ca. 96% der Bevölkerung in insgesamt 9105 Klärwerken aufbereitet. Diese engmaschige Netz könnte es ermöglichen Ausbrüche zu lokalisieren, bevor Patienten positiv getestet werden. Selbst symptomfreie Virusausscheider wären erfasst. So könnte detailliert in 294 Landkreisen und 107 kreisfreien Städten das Infektionsgeschehen regional  ermittelt werden (Süddeutsche Zeitung 25.5.20).

 

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Wurtzer et al. Evaluation of lockdown impact on SARS-CoV-2 dynamics through viral genome quantification in Paris wastewaters Preprint 2020
20-05-25 Wurtzer Evaluation of lockdown
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Urlaub in Corona-Zeiten?  -  Geht das?

Nach dem langen "Lockdown" beginnt langsam in ganz kleinen Schritten die Normalität. Wir alle wünschen uns die Rückkehr in den Alltag. Viele denken schon an Sommerferien und Urlaub. Doch auch im Urlaub gelten die "Corona-Regeln". Das Virus läßt uns auch im Urlaub nicht los. Wenn Sie für den Urlaub planen, macht es Sinn die Infektionstätigkeit im Urlaubsgebiet anzuschauen. Daher hier zwei Internetseiten, auf denen Sie das Krankheitsgeschehen und die Infektionszahlen aktuell und detailliert verfolgen können. 

Wenn Sie in Deutschland bleiben, erhalten Sie über das Dashboard des RKI detaillierte, täglich aktualisierte Zahlen bis auf die Ebene der Landkreise und Städte. Hier der Link zum RKI Dashboard.

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Wenn Sie in das europäische Ausland wollen, erhält man ebenfalls für jedes Land aktuelle Zahlen, die sogar über das Krankheitsgeschehen in einzelnen Regionen des Urlaubslandes informieren. Hier der Link zum Euro-Covid-Dashboard

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Viruskonzentration in den Altersgruppen Viral load in log Skala, Jones, Drosten preprint 2020
Viruskonzentration in den Altersgruppen Viral load in log Skala, Jones, Drosten preprint 2020

Wie infektiös sind Kinder?

Diese Frage beschäftigt uns alle aktuell sehr stark. Kitas und Schulen sind geschlossen. Kinder und Eltern wünschen sich eine baldige Rückkehr zur Normalität. Aber was passiert wenn Kindergärten und Schulen wieder öffnen? Droht uns dann eine neue Infektionswelle?

 

Kinder und Jugendliche sind in bisherigen Studien zu SARS-CoV-2 unzureichend repräsentiert. Es scheint dennoch gesichert, dass Kinder sich im gleichen Umfang wie Erwachsene infizieren können. Sie weisen aber häufiger keine oder nur milde Symptome auf. Bekannt ist auch, dass die Ansteckungsfähigkeit vorallem zu Beginn der Infektion am höchsten ist. Deswegen verbreitet sich das Virus rasch. Epidemiologische Studien zur Infektiösität von Kindern können allerdings momentan kaum durchgeführt werden, da Kinder sehr stark in ihren Kontakten eingeschränkt sind, Kitas und Schulen sind zu!

 

Der Virologe Prof. Drosten aus der Berliner Charité hat daher die Viruskonzentration in Abstrichen und Rachensekret als ein Surrogatparameter für die Ansteckungsfähigkeit untersucht. 3712 von 59.831 in Berlin untersuchten Personen waren SARS-CoV-2 positiv (6.2%). Hierunter waren 49 Kinder unter 10 Jahre und 78 Jugendliche von 11-19 Jahre. Ihre Viruslast unterschied sich  in der statistischen Analyse nicht von den der anderen Altersgruppen (siehe Abbildung).

Kinder sind also wahrscheinlich ähnlich ansteckend wie Erwachsene. 

Die Autoren schlußfolgern, dass die Öffnung von Kindergärten und Schulen vorsichtig erfolgen sollte, um eine neue Infektionswelle zu verhindern.

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Jones, Drosten et al. Analysis of SARS-CoV-2 viral load by patient age preprint 2020, download Homepage Virologie Charite
Jones Drosten analysis-of-SARS-CoV-2-vir
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Beginn der Symptomatik bei Covid-19 positiven Studienteilnehmern (Fig. 2A, Fontanet, 2020)
Beginn der Symptomatik bei Covid-19 positiven Studienteilnehmern (Fig. 2A, Fontanet, 2020)

Hohe "Attackrate" bei älteren Schülern!

In einer Schule der nordfranzösischen Stadt Oise wurde eine Covid-19 Antikörperstudie bei Oberstufen-Schülern, deren Familien und dem Personal der Schule durchgeführt. Von 1132 Schüler, 130 Lehrer und andere Mitarbeiter der Schule und 345 Eltern  wurden 661 Personen auf Antikörper gegen Covid-19 untersucht. Alle beantworteten einen umfangreichen Fragebogen zur Erkankungen und Symptomatik in den vorangehenden Wochen. 171 Personen waren positiv für SARS-CoV-2, das entspricht einer "Infection-attack-rate" (IAR) von 25.9%. Bei den Schülern war die IAR mit 40.9% am höchsten, innerhalb der Familie lag die Ansteckungsrate bei 10.9%. Dies liegt in der gleichen Größenordnung wie in einer chinesichen Studie aus Wuhan (Qifang s.u.). Mit Beginn der regulären Schulferien am 14.2.20 war die Rate der Infektionen stark rückläufig und verringerte sich nach dem allgemeinen Lockdown in Oise noch weiter.

Die Studie belegt die Bedeutung der Schulen als eine mögliche Infektionsquelle für SARS-CoV-2. Schulöffnungen sollten also mit Vorsicht unter strengen Abstandsregeln und Hygieneauflagen erfolgen. 

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Studie aus Nordfrankreich zur "Attack Rate" bei Schülern und deren Angehörigen
Fontanet Cluster of COVID-19 in nothern
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Was bringen Mund-Nase-Masken?

Der Nutzen von einfachen Gesichtsmasken wurde in den letzten Wochen kontrovers diskutiert. Sie sind in ihrer Effektivität natürlich nicht mit FFP2 - Masken vergleichbar. Ein positiver Schutzeffekt  ist aber zu erwarten. Dementsprechend empfielt das RKI das Tragen der Masken und auch die Bundesregierung hat die Nutzung dringend angeraten. In einem kleinen Experiment haben amerikanische Forscher vom National Institutes of Health, Bethesda, USA, den Effekt einer einfachen Mund-Nasen-Maske dargestellt. Mit Hilfe eines Lasers wurden die kleinen Tröpfchen visualisiert, die schon bei normalen Sprechen entstehen. Die Maske verhindert effektiv die Ausbreitung der kleinen Speichel- und Sekrettropfen. Dies ist im Video schön zu sehen: ( Video , New Engl. J Med. 2020).

 

Quintessenz: Tragen Sie Masken: Beim Einkauf, in Bus oder Bahnen, wenn Sie engeren Kontakt nicht sicher vermeiden können!

 

 

 

Symptomatik einer Corona-Virus Infektion (COVID-19, SARS-CoV-2)

 

Zu Beginn kann sich die Infektion wie eine gewöhnliche Erkältung mit (trockenem) Husten und Fieber zeigen. Seltener ist auch Durchfall ein Symptom. In schweren Fällen kann sich eine Lungenentzündung entwickeln und Atemnot hinzukommen. Die Inkubationszeit des neuen Coronavirus liegt nach derzeitigem Wissensstand zwischen zwei und 14 Tagen.

Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 11.3.2020
Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 11.3.2020

Hintergrund-Informationen zur aktuellen Pandemie!

 

 

Tage bis zur Diagnose,   Tage bis zur Hospitalisierung,  Tage bis zur Quarantäne/Isolierung
Tage bis zur Diagnose, Tage bis zur Hospitalisierung, Tage bis zur Quarantäne/Isolierung
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Qifang Bi et al. Epidemiology and Transmission of COVID-19 in Shenzhen China
Qifang Bi Epidemiology and Transmission
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In einer weiteren Studie aus China (Lu X et al., NEJM 2020) wurde die Ansteckungshäufigkeit und Schwere der Erkrankung bei Kindern untersucht. Von 1391 Kindern mit Kontakt zu positiv getesteten Personen waren 171 (12.3%) ebenfalls positiv für SARS-CoV-2. Das Durchschnittsalter lag bei 6.7 Jahren. 41.5% hatten Fieber, 48.5% Husten, 46.2% einen roten Rachen. 27 Kinder (15.8%) waren ohne spezifische Symptome. 3 Kinder mussten beatmet werden (alle mit Vorerkrankungen), ein Kind verstarb.

Auch in dieser Studie waren die Kinder überwiegend mild oder garnicht krank.

 

Dies sind erste Daten zur Ausbreitung, Symptomatik und Infektiösität. Insgesamt ist es sicher noch zu früh für eine valide Beurteilung der Situation.

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Xiaoxia Lu, SARS in Children NEJM 2020
Xiaoxia Lu, SARS in Children NEJM 2020.p
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Hohe Dunkelziffer

 

 


 

Was sind Coronaviren?

Aktuell sind 52 verschiedene Genome der sog. "SARS-like-viruses" identifiziert und es werden täglich mehr!

 

Im Jahr 2002/2003 kam es in China zu einer ersten Infektionswelle mit Coronaviren (SARS-CoV), in der Graphik unten gelb dargestellt. Die Patienten entwickelten in vielen Fälle eine schwere Lungenentzündung mit Atemversagen. Daher die Bezeichnung"Severe Acute Respiratory Syndrom" = "Schweres Atemnotsyndrom". Die Sterblichkeit war recht hoch, vorallem bei Älteren und Menschen mit Vorerkrankungen.

Das ursprüngliche Reservoir der Viren liegt im Tierreich. Das Virus wurde in Fledermäusen und Gürteltieren nachgewiesen (in der Graphik blau). Von dort ist es auf den Menschen übergetreten. SARS-CoV hat sich auch im menschlichen Atemtrakt vermehrt und ist von dort von Mensch zu Mensch übertragen worden. Dieses geschah vorallem in tiefen Regionen der Lunge und war daher nicht sehr infektiös, weil es diesen Patienten bereits sehr schlecht ging und sie isoliert behandelt wurden. Dies ist bei der aktuellen Infektionswelle anders.

Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 (in der Graphik rot) vermehrt sich bereits im Nasen-Rachen-Raum stark. Dort führt es NICHT zu schwerer Symptomatik, wird aber sehr leicht auf Mitmenschen übertragen. Nur wenige Menschen erkranken schwer, wenn die Viren in der Lunge zu einem Atemversagen führen. Gefährdet sind wieder vorallem ältere Menschen und Patienten mit Vorerkrankungen. Kinder und Jugendliche scheinen (nach jetzigen Erkenntnissen) weniger oft und weniger schwer zu erkranken.

 

Quelle: github.com/blab/sars-like-cov. Maintained by Trevor Bedford and Emma Hodcroft.
Quelle: github.com/blab/sars-like-cov. Maintained by Trevor Bedford and Emma Hodcroft.

 

Weltweite Forschungsaktivitäten

Ein weltweites Netzwerk von Virologen, Epidemiologen und anderen Medizinern forscht mit Hochdruck zu den Coronaviren. Hierzu werden molekularmedizinische Daten zur Genetik und Biologie der Viren mit epidemiologischen Daten und klinischen Erkenntnissen verknüpft. Ziel ist es die neue Epidemie zu verstehen, die Ausbreitung des Virus zu stoppen (was wahrscheinlich nicht mehr gelingen wird) und vorallem ein Impfstoff oder eine Therapie zu entwickeln. Doch dies braucht Zeit.

Die offiziellen Fallzahlen sind nur die "Spitze des Eisberg"!

Die Dynamik des Ausbreitung spricht dafür, dass bereits sehr viel mehr Menschen weltweit erkrankt (und wieder gesund!) sind. Wir haben es mit einer Pandemie zu tun.

 

Das neue Corona-Virus SARS-CoV-2

Die Abbildung zeigt die "Verwandschaft" der Viren, die für die aktuelle Pandemie verantwortlich sind. Alle Infektionen lassen auf ein CoV19/SARS-CoV-2-Virus zurückverfolgen. Bislang sind nur wenige Mutationen aufgetreten. Das ursprüngliche Virus ist im November oder Dezember 2019 wahrscheinlich von Fledermaus oder Gürteltier auf den Menschen übergegangen, vermehrt sich im Nasen-Rachen-Raum und hat sich seitdem von Mensch-zu-Mensch weiterverbreitet.