Impfpflicht gegen Masern ? !

 

In Deutschland, Europa und den USA werden wieder vermehrt Masernfälle registriert.

 

 

Gesundheitsminister Spahn und andere Politiker fordern daher eine Impflicht für Masern und wollen diese bis Anfang 2020 umsetzen. Ist das Aktionismus? Gibt es wissenschaftliche Belege für die Sicherheit und Effektivität der Impfung? Nützt die Impfpflicht?

 

 

Masern werden durch feinste Tröpfen in der Atemluft übertragen, die mehr als 2 Stunden in die Umgebungsluft virulent bleiben. Kontaktpersonen erkranken mit einer Wahrscheinlichkeit von 90% und geben die Erkrankung an 9 bis 18 Personen weiter.

 

Vor der Einführung der Masernimpfung verstarben jährlich zwischen 2 und 3 Mio. Menschen an Masern. Noch heute versterben weltweit mehr als 100.000 !

 

Darüber hinaus gibt es nach Masern schwere Komplikationen. Die Erkrankung bewirkt eine vermehrte Anfälligkeit für bakterielle Infektionen. Dies sind z.B. schwere Mittelohreiterungen, Lungenentzündungen, welche die Haupttodesursache nach Masern darstellen oder eine spezielle Augenerkrankung die Keratokonjunktivitis, die zur Erblindung führen kann.

 

Etwa 1 von 1000 Masernkranken erkrankt in Folge der Infektion an einer Gehirnentzündung (Meningoenzephalitis), die Mortalität ist hoch, sie führt außerdem oft zu schweren und dauerhaften neurologische Schäden. Einer von 10.000 Erkrankten verstirbt noch Jahre später an der SSPE, der Subakuten Sklerosierenden Pan-Enzephalitis.

 

 

Masern können sicher verhindert und eliminiert werden. Die Impfung ist hocheffektiv und Nebenwirkungsarm. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Schwellungen am Injektionsort und Fieber. 5% entwickeln einen harmlosen Ausschlag. Seltene Nebenwirkungen sind Fieberkrämpfe oder eine harmloser leichter Abfall der Zahl der Blutplättchen. Eine Hirnentzündung wurde nur bei Kindern beobachtet, die trotz einer Immunschwäche versehentlich geimpft wurden.

 

Autismus wird NICHT durch die Impfung ausgelöst. Dies ist wissenschaftlich sicher belegt!

 

 Durch die Impfung können Masern sicher verhindert werden. Die Impfung ist hocheffektiv. Bei einer Impfrate von 93%-95% kann sich eine eingeschleppte Infektion nicht verbreiten, es entsteht eine sogenannte „Herdenimmunität“. Sie schützt geschwächte Menschen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden dürfen (bei angeborener oder erworbener Immunschwäche) oder auch Krebskranke, Patienten die wegen Rheuma oder anderer Erkranken mit Immunsuppressiva behandelt werden.

 

 Alles spricht für eine Impfung gegen Masern. Doch brauchen wir eine Impfpflicht?

 

Dies ist eine schwierige ethische Entscheidung. Das Grundgesetzt und höchstrichterliche Urteile erlauben grundsätzlich eine Impfpflicht (siehe Pockenimpfung). Die Frage ist, ob die Verhältnismäßigkeit beim Schutz der Allgemeinheit gegenüber den Rechten des Einzelnen gewahrt bleibt, wenn es um die Masernimpfung geht? Der Deutsche Ethikrat sieht die Einführung einer Impfpfllicht jedenfalls kritisch.

 

Wie würde der BGH entscheiden? Bei Einführung der Impfpflicht ist eine Klage vorprogrammiert!

 

Auch stellt sich die Frage nach der Gleichbehandlung wenn es um die angedrohte Geldstrafe von € 2500 geht. Ein Gutverdiener kann sich die Geldstrafe leisten, der Hartz IV-Empfänger nicht. Darüber hinaus ist zu bedenken, dass hunderttausende nach 1970 geborene Erwachsene ohne ausreichenden Impfschutz sind. Daher stellen Epidemiologen die Effektivität der Impfpflicht für Kinder und für einen ausgewählten Personenkreis in Frage, wenn nicht auch alle ungenügend geschützten Erwachsenen nachgeimpft werden.

 

Impfpflicht hin oder her. Kommen Sie Herrn Spahn zuvor! Lassen Sie ihr Kind impfen und ihren eigenen Impfpass auf Lücken checken!

 

 Lesen Sie mehr im aktuellen Arzneitelegramm (PDF - Download)

 

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Masern - Ist es Zeit für eine Impfpflicht ? Arzneitelegramm 2019
Masern - Ist es Zeit für eine Impfpflich
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Mein Kind hat „Magen-Darm“ – Kann man was tun?

 

Diese Frage bewegt nicht nur die Eltern, sie ist auch Gegenstand vieler wissenschaftlicher Untersuchungen! Insbesondere die prophylaktische oder therapeutische Gabe von Probiotika wurde untersucht. Leider waren bislang viele Studien zu diesem Thema wissenschaftlich ungenau, wiesen eine ungenügende Zahl an Patienten auf und führten zu widersprüchlichen Ergebnissen. Auch sogenannte „Meta-Analysen“, in denen die Ergebnisse vieler Studien gemeinsam bewertet werden, blieben ohne sicheres Ergebnis. Selbst die Empfehlungen der Fachgesellschaften sind höchst unterschiedlich. So empfiehlt die europäische Fachgesellschaft für Kinder-Gastro-Enterologie und Ernährung Probiotika bei Gastroenteritis, die amerikanische Fachgesellschaft lehnt die Gabe ab, da ihrer Ansicht nach ein Wirknachweis fehlt.

 

In Entwicklungsländern mit unzureichender medizinischer Versorgung sind Durchfallerkrankungen lebensbedrohlich und mit einer hohen Sterblichkeit behaftet. In den Industriestaaten ist dies natürlich anders. Aber auch bei uns sind Durchfallerkrankungen ein Problem. Die Kinder leiden stark unter der Symptomatik. Kindergarten oder Krippe können nicht besucht werden, die Eltern müssen die Kinder zu Hause betreuen und können nicht zur Arbeit. In den USA werden pro Jahr 1.7 Millionen Notfall-Ambulanzbesuche wegen Durchfallerkrankungen gezählt. Durch Medikamente lässt sich der Verlauf der Erkrankung praktisch nicht beeinflussen. Und obwohl die Wirksamkeit bislang nicht bewiesen ist, spielen freiverkäufliche Probiotika  eine zunehmende Rolle. Die Umsätze mit Probiotika liegen in den USA bei über einer Milliarde Dollar.

 

Hilft die Gabe von Probiotika? Können sie die Symptomatik lindern oder verkürzen?

Diesen Fragen sind zwei große wissenschaftlich hochrangige Studien in Kanada und den USA nachgegangen, die jetzt im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurden (Freedman et al., Schnadower et al. NEJM 2018). 886 bzw. 971 Kinder zwischen 3 Monaten und 4 Jahren (Durchschnitt 16 Monate) erhielten entweder ein Probiotikum bestehend aus Milchsäure bildenden Bakterien oder Placebo. Die Studien wurden „randomisiert und doppelblind“ durchgeführt, d.h. die Verteilung war zufällig und weder Arzt noch Eltern wussten während der Einnahme ob Placebo oder Probiotikum gegeben wurde.  

 

Das Ergebnis ist ernüchternd!

 

Es wurde kein Unterschied bei Durchfalldauer und –frequenz, Erbrechen (siehe Abbildung, Freedman NEJM 2018) Fieber, Austrocknung und der Notwendigkeit von Infusionen festgestellt. Die Fehltage in der Krippe oder Kindergarten unterschieden sich nicht. Die Verläufe von ausschließlich gestillten Kindern waren nicht besser als die der nicht gestillten.

 

Die Schlussfolgerung der Autoren lautet: Die Gabe von Probiotika bei Durchfallerkrankungen im Säuglings- und Kleinkindalter ist nicht sinnvoll.

 

Die Behandlung von Durchfallerkrankungen bleibt mühsam. Wichtig ist die konsequente Gabe von Flüssigkeit, um eine Austrocknung zu verhindern. Bei jungen Säuglingen sollten sog. "Orale Rehydratationslösungen", wie z.B. Elotrans®  oder Oralpädon® verwendet werden. Diese sind in den Apotheken erhältlich. In einigen Fällen werden Infusionen nötig, dies geht nur in der Klinik. Sobald wie möglich soll mit dem Nahrungsaufbau begonnen werden. Säuglinge werden gestillt oder erhalten zunächst verdünnte Säuglingsnahrung. Ältere Kinder kriegen kohlenhydratreiche Kost (z.B. geriebener Apfel, Zwieback).

 

 

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Freedman Multicenter Trial of a Combination Probiotic for Children with Gastroenteritis NEJM 2018
Freedman Multicenter Trial of a Combinat
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Schnadower Lactobacillus rhamnosus GG vs.Placebo for Acute Gatroenteritis in Children NEJM 2018
Schnadower Lactobacillus rhamnosus GG ve
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Glyphosat-Belastung von Impfstoffen – Fake oder Fakt?

Im Rahmen eines Aufklärungsgesprächs über Impfungen wurde ich mit der Frage zur Glyphosat-Belastung von Impfstoffen konfrontiert. Ein Vater sagte, im Herstellungsprozess käme es über Hühnerembryonen  zu einer erheblichen Kontamination. Die Belastung sei nachgewiesen. Daher müsse man die Sicherheit der Impfstoffe in Frage stellen.

 

Da ich In einer kurzen Literaturrecherche keine wissenschaftlich fundierten Daten, sondern nur Beiträge in „Impf-Foren“ fand, habe ich eine Anfrage an das unabhängige und pharmakritische „Arznei-Telegramm®“ gestellt.

Hier die Antwort der wissenschaftlichen Redaktion:

 

Sehr geehrter Herr Prof. SCHIFFMANN,

bei einer kurzen Internetrecherche bin ich auf zwei Quellen gestoßen, in denen selbst erhobene Daten zu Glyphosat in Impfstoffen angeführt werden. Es handelt sich dabei einerseits um eine Untersuchung, die von der US-amerikanischen Bewegung „Moms across America“ in Auftrag gegeben wurde und in der Spuren von Glyphosat in allen fünf geprüften Impfstoffen (gegen Influenza, Masern/Mumps/Röteln, Pneumokokken, Hepatitis B und  Tetanus/Diphtherie/Pertussis) nachgewiesen wurden (1). In der Folge hat eine an dem Untersuchungsbericht beteiligte Wissenschaftlerin, S. SENEFF, als Co-Autorin Ergebnisse ihrer eigenen Überprüfung von 19 Impfstoffen veröffentlicht (2). Auch in dieser Arbeit wird über den Nachweis von Glyphosat bei der Mehrzahl der untersuchten Chargen berichtet. Der Stoffmengenanteil wird in beiden Untersuchungen für die einzelnen Impfstoffe mit < 1 ppb, also unter 1 µg/kg angegeben, außer bei den geprüften MMR-Vakzinen/-Chargen, in denen 2,67 bis 3,74 ppb nachgewiesen werden (1,2).

 

Wie valide die erhobenen Daten sind, lässt sich für uns schwer beurteilen.

 

Der Glyphosat-Hersteller Monsanto behauptet, dass das in beiden Untersuchungen angewendete Verfahren ELISA nach Experteneinschätzungen für die Messung von Substanzen, die nur in sehr geringen Mengen vorliegen, zu ungenau sei (3). Auch „Moms across America“ räumt ein, dass weitere Überprüfungen nötig seien (1). Andererseits halten wir es aufgrund des verbreiteten Einsatzes von Glyphosat und dessen Aufnahme über die Nahrungskette durchaus für denkbar, dass Spuren davon auch in Impfstoffen enthalten sein könnten. Die Autoren der zweiten Untersuchung erwähnen als mögliche Quelle neben Hühnerembryonen und Rinderserum vor allem Gelatine (2). An der Nutzen-Schaden-Bilanz der „betroffenen“ Impfstoffe ändert sich dadurch unseres Erachtens jedoch nichts.

 

Bei einer orientierenden Datenbankrecherche (PubMed) finden wir keine Arbeiten, die sich mit dem Thema Glyphosat in Impfstoffen befassen (die Zeitschrift von (2) ist dort nicht gelistet). Die beiden Wissenschaftler, die die zweite beschriebene Untersuchung veröffentlicht haben, sind in der Vergangenheit jedoch bereits durch eine Reihe von Veröffentlichungen zu den negativen Auswirkungen von Glyphosat aufgefallen, in denen der Stoff nicht nur mit Krebs, sondern auch mit vielen anderen Erkrankungen, beispielsweise Multipler Sklerose, Asthma bronchiale und Diabetes mellitus, in Verbindung gebracht wird, und werden für ihre wissenschaftliche Herangehensweise kritisiert (4). Auch in ihrer Arbeit zu Glyphosat in Impfstoffen fallen fragwürdige Aussagen auf, beispielsweise, dass Autismus als Autoimmunerkrankung gilt. Passend dazu wird über den Fund von Glyphosat in einzelnen Impfstoffen eine Brücke geschlagen zu der alt bekannten – und längst widerlegten – These einer angeblichen Auslösung von Autismus durch den Masern-Mumps-Röteln-Impfstoff. Unten stehend finden Sie einen Link zu allen zitierten Quellen, damit Sie sich selbst ein Bild machen können.

Mit freundlichen Grüßen

S. SCHENK (Ärztin)

Redaktion arznei-telegramm®

 

Literaturnachweis

 

1             Moms Across America: Glyphosate in Vaccines Report; 5. Sept. 2016;

 

https://d3n8a8pro7vhmx.cloudfront.net/yesmaam/pages/1707/attachments/original/1473130173FullGlyphosateinVaccinesReport_(6).pdf?1473130173

 

2             SAMSEL, A., SENEFF, S.: J. Biol. Phys. Chem. 2017; 17: 8-32;

 

http://www.amsi.ge/jbpc/11717/25SA16A.pdf

 

3             Monsanto: Ist in unseren Impfstoffen Glyphosat? Zugriff vom 25.  Sept. 2018;

 

https://glyphosateinfo.monsanto.com/de/ist-unseren-impfstoffen-glyphosat/

 

4             MESNAGE, R., ANTONIOU, M.N.: Front. Public Health 2017; 5: 316 (7

 

Seiten); https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fpubh.2017.00316/full

 

 

Quintessenz?

Die Kontamination von Impfstoffen mit Glyphosat ist bislang nicht wissenschaftlich bewiesen. Publiziert sind lediglich zwei Untersuchungen, allerdings in Zeitschriften ohne das wissenschaftlich übliche "peer-review"-Verfahren. Die verwendete „ELISA“-Methode (enzymgekoppelter Immunadsorptionstest) ist ungeeignet die extrem niedrigen Konzentrationen valide zu messen. Es kann dabei zu „Verwechselungen“ von Substanzen kommen, so dass falsch positive Befunde vorgetäuscht werden. Geeignet wären Gaschromatographie oder  Massenspektrometrie.  Diese extrem genauen aber aufwendigen und teuren Methoden wurden aber nicht eingesetzt.

In der EU wurde die Konzentrationsgrenze für Glyphosat bei Menschen auf 0,5 Teile pro Million (ppm) festgelegt. Auf Grundlage der winzigen Mengen, in denen Glyphosat manchmal in Nahrungsmitteln vorkommt, müsste eine Person unglaubliche Mengen konsumieren, um dadurch potenziell gefährdet zu sein. Selbst wenn  Glykosat in der tausendfach geringeren Mengen von 1-4 ppb (1 Molekül pro 1 Milliarde Moleküle) im Impfstoffen enthalten wäre, würde dies keine gesundheitliche Gefährdung bedeuten.

 

Daher auch die Schlussfolgerung des Arznei-Telegramms: „An der Nutzen-Schaden-Bilanz der „betroffenen“ Impfstoffe ändert sich dadurch unseres Erachtens jedoch nichts.“

 

 

 

Husten bei einem Infekt der oberen Atemwege: Was ist besser als Honig?

 

In den Wintermonaten sind Husten und Schnupfen für viele Kinder (und Erwachsene) ständiger Begleiter. Die an sich harmlosen viralen Infekte „nerven“. Vor allem die Hustenanfälle stören die Nachtruhe. Die Symptome klingen in der Regel nach 5-7 Tagen ab. Reagiert das Bronchialsystem sensibel auf Infektreize, kann der Husten auch mal deutlich länger anhalten. Darüber hinaus bringen Krippe-, Kindergarten- und Schule rasch den nächsten Infekt, manchmal noch bevor der erste ganz abgeklungen ist.

 

Häufig wird bei diesen viralen Infekten versucht den quälenden Husten mit pflanzlichen Hustensäften, „Schleimlösern“ oder Hausmitteln zu behandeln. Viele dieser Präparate sind nicht rezeptpflichtig und können so in den Apotheken frei, als sogenannte „Over the Counter“-Ware (OTC) verkauft werden. Der Umsatz nicht verordneter OTC – Ware liegt in Deutschland bei 5 Milliarden Euro! Stellt sich die Frage nach dem Nutzen dieser Präparate?

 

In der amerikanischen Fachzeitschrift „Chest“ Malesker MA et al. Chest 2017; 152(5):1021-1037 wurde hierzu die Analyse von Experten veröffentlicht. Untersuchungen an mehr als 6500 Patienten (Erwachsene und Kinder) wurden ausgewertet. Die Experten versuchten u.a. die folgenden Fragen zu beantworten.

 

Verkürzen „Schleimlöser“ die Dauer des Hustens?

Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass die Dauer des Hustens mit oder ohne diese Medikation etwa eine Woche beträgt. Es wird keine Indikation für „Hustenlöser“ gesehen.

 

Nützen Kombinationspräparate?

Dies betrifft vor allem die von Erwachsenen verwendeten Präparate wie z.B. „Wick Medinait©“. Auch für diese Gruppe ist ein Nutzen nicht belegt.

 

Was bringen Ibuprofen und andere schmerz- und entzündungshemmende Präparate?

Sie können das Allgemeinbefinden bessern, verkürzen aber nicht die Hustendauer.

 

Was hilft gegen Reizhusten?

Bei Kindern kann Honig den Hustenreiz reduzieren. Das Hausmittel ist in etwa ähnlich gut wirksam wie sog. „Hustenstiller“. Diese können allerdings kleinen Kindern oder Säuglingen auf Grund von Nebenwirkungen und Zulassungsbeschränkungen nur eingeschränkt verordnet werden! Allerdings sollte Honig vor dem 1. Geburtstag ebenfalls nicht gegeben werden! Codein-Präparate sind zwar ab dem Alter von 4 Jahren zugelassen, auf Grund einer möglichen atemdepressiven Wirkung werden sie aber nur für ältere Kinder ab ca. 12 Jahre empfohlen.

 

Verkürzen Hustenstiller und Schleimlöser die Dauer des Hustens?

Nein! Die Qualität der Studien war zu dieser Fragestellung insgesamt schlecht. Für Kinder konnte kein positiver Effekt gezeigt werden.

 

Quintessenz?

Trotz aller Fortschritte in der Medizin: Eine „Erkältung“ dauert mit Medikamenten eine Woche und ohne Medikation 7 Tage. Frei verkäufliche sog. OTC-Präparate ändern am Verlauf oder der Symptomatik nichts. Hustenstiller und fiebersenkende Mittel können für alle Beteiligten die Situation erleichtern, eine raschere Heilung ist aber nicht zu erwarten.

 

 

 

 

Impfungen ohne „Piks“ ?

 

In einer vorab veröffentlichten Arbeit in „The Lancet“,  einem der renommiertesten Medizinzeitschriften weltweit, wurde eine Untersuchung zur Sicherheit, Praktikabilität und Effektivität eines Grippeimpfstoffes publiziert, der über ein Pflaster appliziert wird (Abbildung aus Rouphael NG et al. The Lancet 2017). Das Pflaster ist mit kleinsten „Mikronadeln“ bestückt. Das Aufkleben ist völlig schmerzfrei. Das Pflaster verbleibt 20 min. auf der Haut. In dieser Phase I Studie wurde die Applikation über das Pflaster mit der üblichen intramuskulären Injektion verglichen. Es wurden der „echte“ Impfstoff und ein Placebo verabreicht. Die Verträglichkeit des neuen Applikationswegs war sehr gut. Es traten lediglich kurzzeitig leichte Hautirritationen, wie Druckempfindlichkeit, Rötung und Juckreiz auf.  Die Wirksamkeit unterschied sich nicht von der Injektion, Antikörper-Titer und Erkrankungsraten waren vergleichbar.  Diese Phase I Studie zeigt grundsätzlich die gute Einsatzmöglichkeit der Micro-Nadel-Pflastertechnik.

 

Gerade Kinder müssen eine Vielzahl von Impfungen über sich ergehen lassen und würden natürlich sehr von dieser schmerzfreien und Nebenwirkungsarmen Applikationsform profitieren. Bis zu einer breiten Anwendung wird es allerdings wohl noch etwas dauern.

 

Auch wenn wir wohl noch einige Zeit „piksen“ müssen. Lassen Sie ihr Kind impfen! Nur so können  z.T. lebensbedrohliche Erkrankungen verhindert werden. Das unsere Kinder heute weitestgehend ohne schwerwiegende Infektionserkrankungen aufwachsen können, liegt auch an der „Erfolgsstory“ der Impfungen. Um 1900 verstarben in Deutschland 25% aller Kinder bis zum 5. Lebensjahr! Die meist an Infektionen. Heute liegt diese Zahl im Promille-Bereich. Dazu haben Antibiotika, Fortschritte im sozialen Bereich, in der Hygiene und auch Impfungen im besonderen Maß beigetragen.

 

RSV - Bronchiolitis - Atemwegsvirus betrifft vor allem junge Säuglinge!

Aktuell häufen sich Fälle von schweren Atemwegsinfekten bei Säuglingen und Kleinkindern durch das RS-Virus (Respiratory Syncytial Virus). Es befällt die kleinen Atemwege und führt zur Luftnot, Hustenattacken und vermehrter Sekretion in den Atemwegen und der Nase. Die Kinder sind teilweise stark beeinträchtigt, trinken schlecht, sind extrem unruhig und benötigen öfter zusätzlichen Sauerstoff in der Einatemluft. In schweren Fällen kann ein Atemstillständ auftreten.

 

Was ist zu tun?

 

Das National Institute for Health and Care Excellence (NICE) hat 2015 die Leitlinien zum Management von RSV-Infektionen aktualisiert (unten nachzulesen):

  • Die Diagnose wird klinisch gestellt, ein Röntgenbild ist in der Regel nicht erforderlich.
  • Ein Schnelltest aus Nasensekret bestätigt den Verdacht.
  • Die Messung der Sauerstoff-Sättigung über die Haut hilft die Schwere der Erkrankung einzuschätzen. Sie sollte 92% nicht dauerhaft unterschreiten.
  • Bei Trinkverweigerung benötigen manche Kinder eine Magensonde oder Infusion.
  • Medikamente sind ohne Nutzen! Inhalation mit bronchialerweiterender Medikation, mit konzentrierter Kochsalzlösung, die Gabe von Kortison oder Antibiotika sind ohne Effekt.
  • Die einzig sinnvolle Maßnahme ist Sauerstoffzufuhr (falls nötig).

 

Da die Therapiemöglichekeiten stark beschränkt sind, hat die Prävention einen hohen Stellenwert.

  • Konsequentes und häufiges Hände waschen!
  • Kontakt vermeiden! Säuglinge und Kleinkinder sollten offensichtlich fiebernde oder hustende Personen strikt meiden.
    Dies gilt besonders für ehemalige Frühgeborene und grundsätzlich für Säuglinge unter 2 Monaten
  • Bad- und Küchenflächen sauber halten, Spielzeug abwaschen
  • Benutzte Taschentücher rasch entsorgen
  • Geschirr insbesondere Trinkbecher nicht gemeinsam nutzen.
  • NICHT RAUCHEN !

 

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Leitlinien zu RSV
Caffrey Osvald NICE clinical guideline R
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Schwere Überempfindlichkeitsreaktionen auf Sinupret - Zubereitungen

Im aktuellen Arzneimittetl-Telegramm (a-t 2016; 47: 109) wird über z.T. schwere Nebenwirkungen nach Einnahme von SINUPRET® (Auszug aus Eisenkraut, Enzianwurzel, Gartensauerampferkraut, Holuder- und Schlüsselblumenblüten) berichtet.

Es scheinen vorallem Patienten mit vorbestehenden Atemwegserkrankungen betroffen zu sein. So entwickelte eine Patientin kurz nach Einnahme eine schwere Luftnot und Panik, eine andere erlitt einen sog. "Status asthmatikus".  Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) dokumentiert aktuell 276 Verdachtsberichte zu Störeffekten von
SINUPRET-Zubereitungen, 131 davon mit Zeichen von Überempfindlichkeit. 100 Berichte betreffen die Haut
und das Unterhautgewebe, 35 Schwellungen in Gesicht und Halsbereich bzw. Angioödeme. Bei 25 Patienten
trat Luftnot bis hin zum Status asthmaticus auf. Wie auch für fast alle anderen pflanzlichen Präparate ist der Nutzen der Sinupret-Einnahme nicht belegt (a-t 2012; 43: 22-3). Methodisch einwandfreie Studien zur Wirksamkeit liegen nicht vor. Durch Verzicht auf die Einnahmen können zumindest schwere Nebenwirkungen vermieden werden.

 

 

 

Neugeborenen-Gelbsucht !

Ab sofort können wir in unserer Praxis den Schweregrad der Neugeborenen-Gelbsucht mit einer unblutigen Messung über die Haut exakt und ohne Zeitverzögerung bestimmen.

Warum gibt es die Neugeborenen-Gelbsucht?

Der gelbe Farbstoff „Bilirubin“ ist ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs „Hämoglobin“. In der Leber wird das Bilirubin an eine Substanz (Glukuronsäure) gekoppelt, damit wasserlöslich und kann ausgeschieden werden. Dies geschieht bei Neugeborenen genauso bei Kindern oder Erwachsenen. Allerdings ist der Stoffwechsel bei Früh- und Neugeborenen noch nicht optimal: u.a. fällt relativ mehr Bilirubin an, weil die Hämoglobinkonzentration hoch und die Lebensdauer der Blutzellen (Erythrozyten) verkürzt sind, außerdem kann die unreife Leber Bilirubin weniger gut verarbeiten.

Im Gehirn des Neugeborenen kann das Bilirubin schwere Schäden verursachen. Um dies zu vermeiden, dürfen bestimmte Grenzwerte nicht überschritten werden!

 

Wie häufig ist die Gelbsucht, worauf muss man achten?

Die Hälfte aller Neugeborenen und 80% aller Frühgeborenen entwickeln 2-3 Tage nach Geburt eine Gelbsucht (Ikterus), die am 4.-5. Tag ihren Höhepunkt erreicht. Bestimmte altersabhängige Grenzwerte dürfen nicht überschritten werden. Ist der Ikterus sehr stark ausgeprägt kann es zu schweren Hirnschäden kommen. Nach der Geburt achtet ihre Hebamme in der Klinik und bei den Besuchen zu Hause sehr genau auf eine Gelbfärbung der Haut und der Augen des Neugeborenen. Wenn der Eindruck entsteht, dass die Gelbsucht zu ausgeprägt sein könnte, muss das Bilirubin gemessen werden.

 

Welche Kinder sind gefährdet?

 Eine besondere Gefährdung für hohe Bilirubinwerte gibt es bei folgenden Konstellationen:

 ·         Gelbsucht innerhalb von 24 Stunden nach der Geburt

 ·         Blutgruppenunverträglichkeiten

 ·         Geburt vor der 38. Schwangerschaftswoche

 ·         Saugglocke, Kephalhämatom

 ·         Stillen (TROTZDEM NATÜRLICH STILLEN!!!)

 ·         Starker Gewichtsverlust

 

Wie wird das Bilirubin gemessen?

Das Bilirubin wird routinemäßig im Blut bestimmt. Hierzu ist eine Venenpunktion oder eine kapillare Blutentnahme erforderlich, die naturgemäß schmerzhaft ist. Da die Probe im Labor verarbeitet werden muss, dauert es außerdem einen halben bis einen Tag, bis ein Ergebnis vorliegt.

Seit einiger Zeit kann die Höhe der Bilirubin-Konzentration auch über die Haut (transcutan) gemessen werden. Dies geschieht photometrisch mit einer Xenon-Lichtquelle im blauen und grünen Bereich des Lichtspektrums. Die Messung ist für das Kind ohne Nebenwirkungen, völlig schmerzfrei und kann beliebig oft wiederholt werden. Der Sensor des Messgeräts wird dazu lediglich auf der Haut über dem Brustbein gesetzt (Abbildung). Die Reflexion des Lichts ist ein sehr genaues Maß für die Bilirubin-Konzentration im Blut.

 

 

 

Was ist bei Gelbsucht zu tun?

Wird ein (zu) hoher Wert gemessen, muss ggf. eine Lichttherapie (Phototherapie) eingeleitet werden. Dies kann nur in der Klinik geschehen und der Bilirubinwert wird vorher noch einmal im Blut kontrolliert.  Die Neugeborenen-Gelbsucht wird mit „normalem“ Tageslicht therapiert, nicht mit UV-Strahlen! Als besonders effektiv hat sich der „blaue“ Anteil im Lichtspektrum bei 450nm erwiesen. Das Licht spaltet das nicht-konjugierte Bilirubin photochemisch zu Lumirubin, welches wasserlöslich ist und über die Galle in den Stuhl oder über die Niere im Urin ausgeschieden werden kann. Durch den rechtzeitigen Einsatz der Phototherapie und anderer Maßnahmen können  Hirnschäden heute glücklicherweise sicher vermieden werden.

 

Die Phototherapie hat wenige Nebenwirkungen. Die Wichtigste ist die Trennung von der Mutter durch die Pflege im Brutkasten in der Kinderklinik. Gelegentlich gibt es Probleme beim Stillen. Phototherapie kann zu Temperaturerhöhung und insensiblem Wasserverlust führen. Epidemiologische Untersuchungen beschreiben eine schwache statistische Assoziation zwischen Phototherapie und dem späteren Auftreten von Hautveränderungen wie melanozytischen Naevi oder Café-au-lait-Flecken sowie zwischen Phototherapie und akuter myeloischer Leukämie (AWMF-Leitlinie Neugeborenen-Gelbsucht 2015).

 

 

Transcutane Messung in der Praxis

Ab sofort können wir in unserer Praxis die transcutane Bilirubinmessung mit einem Messgerät der neuesten Generation (Dräger JM-105, Abbildung) anbieten. Der Messwert liegt sofort vor und es kann entschieden werden, ob eine Klinikeinweisung nötig ist oder ob abgewartet werden kann. Mit einfachen vorbeugenden Maßnahmen kann in vielen Fällen die Klinikeinweisung noch vermieden werden. Wichtig ist deshalb ein optimales Stillmanagement, ggf. mit Zufüttern von Formula, während Tee, Glukose oder Wasser oder parenterale Flüssigkeit in Bezug auf eine Unterbrechung des enterohepatischen Kreislaufs nicht wirksam sind. Gestillte Neugeborene haben zwar im Durchschnitt 1 bis 2mg/dl höhere maximale Bilirubinspiegel als Formula-ernährte Kinder und einen höheren postnatalen Gewichtsverlust. Bei gestillten Kindern können durch die zusätzliche Gaben von kleinen Mengen partiell hydrolysierter Formula (6 x 5 ml) die Serumbilirubinwerte auf das Niveau von formula-ernährten Kindern gesenkt werden (AWMF-Leitlinie Neugeborenen-Ikterus 2015).

Die transcutane Messung kann jederzeit wiederholt werden, um den Verlauf der Gelbsucht zu kontrollieren.

 

Was kostet die Messung?

Leider ist diese neue und für das Kind schonende Methode bislang keine Leistung der kassenärztlichen Versorgung! Um Anschaffung und Unterhalt dieses mehrere tausend Euro teuren Gerätes zu refinanzieren, können wir Ihnen diese Untersuchung nur als individuelle Gesundheitsleistung anbieten:

 

Erste Messung nach GOÄ (1.69 x Ziffer A602)        à € 15,00

Alle weiteren notwendigen Messungen pauschal à € 15,00

 

Wenn Sie Fragen zur Gelbsucht oder zur Bilirubinbestimmung haben wenden Sie sich an Ihre Hebamme! Sie wird Ihnen über die verschiedenen Aspekte der Neugeborenen-Gelbsucht Auskunft geben können. Bei speziellen medizinischen Fragen können Sie sich auch gerne an uns wenden.